Imkern mit dem Schwarmtrieb

Honigbienen vermehren sich durch Volksteilung. Starke und gesunde Bienenvölker pflegen in den Monaten Mai bis Juli bei gutem Nahrungsangebot Königinnenzellen in denen neue Bienenköniginnen heranwachsen. Kurz vor dem Schlupf dieser Jungköniginnen verlässt die alte Königin des Bienenvolkes zusammen mit den Flugbienen und etwas Honigvorrat den Bienenstock, um ein einen neuen Bienenstock mit neuem Wabenwerk aufzubauen. Diesen Prozess nennt man Schwarm. Eine geschlüpfte Jungkönigin paart sich auf ihrem Begattungsflug mit bis zu zwanzig männlichen Bienen, den Drohnen, und übernimmt das alte Bienenvolk mit den übrig gebliebenen Vorräten, Brut und dem altem Wabenwerk.

Heutzutage versuchen Imker diesen Schwarmprozess zu unterdrücken, da sie zum einen befürchten, dass der nachlassende Sammeleifer der schwarmlustigen Bienen ihre Honigernte schmälert. Zum anderen kann man davon ausgehen, dass ein ausgezogener Schwarm ohne Hilfe des Imkers an der Varroa Milbe eingeht. Die Varroa Milbe ist ein aus  Asien eingeschleppten Parasit, der maßgeblich zur Sterblichkeit von Bienenvölkern beiträgt.

Der Imkerverein „Freizeitimker Wümme Region e.V.“ lud am Freitag, dem 17. März, den anerkannten Bienenzuchtberater Guido Eich vom Bieneninstitut in Celle zu einem Vortrag zur Königinnenzucht ein. Fünfzig Imkerinnen und Imker im Alter von mitte zwanzig bis über siebzig Jahren kamen nach Bothel in das Gasthaus Meyer um den Diplombiologen und Imkermeister zu hören.

Im ersten Teil seines Vortrags ging er darauf ein, dass eine ausreichende Pollenversorgung und geschlechtsreife Drohnen, erkennbar am unbehaarten Rückenpanzer, Voraussetzung dafür sind, dass ein Bienenvolk in den „Sexualmodus“ schaltet. Dann ist es möglich, dass der Imker gezielt und kontrolliert Königinnenzucht betreibt. Er gibt dazu Larven von einer nachzuchtwürdigen oder gekörten Königin in ein dafür vorbereitetes Volk. Die Bienen pflegen genau diese vom Imker ausgewählten Larven zu neuen Königinnen.

„Der Imker kommt selten zu früh aber häufig zu spät.“ Mit diesen Worten leitete Guido Eich den zweiten Teil seines Vortrags ein und ging auf die Möglichkeiten des Imkers ein, wenn seine Bienenvölker trotz Maßnahmen zur Schwarmverhinderung in Schwarmstimmung geraten. Da dies ein natürlicher Prozess sei, solle der Imker ihn zu seinem Vorteil nutzen. Früher hätte man die von den Bienen gepflegten Königinnenzellen zerstört, da man auf Schwarmträgheit selektieren wollte. Heute jedoch müsse man auf Varroatolleranz und Vitalität selektieren. Da nur gesunde Bienen schwärmen wollten, solle man genau diese „Schwarmzellen“ zur Königinnenvermehrung nutzen. Deshalb empfahl er, es auch mal mit der „wilden Genetik“ am eigenen Bienenstand auszuprobieren, immerhin hätten diese Völker überlebt: „Versucht es mit Euren eigenen Bienen“.

Praktisch könne der Imker einen noch nicht ausgezogenen Schwarm durch geschicktes Teilen und Verstellen der Bienenwohnung ohne größere Verluste noch verhindern (Flugling). Auch ein wieder eingefangener Schwarm könne, wenn man ihn auf den Platz seines ursprünglichen Volkes stelle, noch sehr viel Honig produzieren. „Nutzt die Power vom Schwarm.“ Das hätten bereits die Korbimker in der Lüneburger Heide gewusst, deren Wissen müsse man sich wieder aneignen.

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